Sie bilden wieder ein Dreieck: Houilles, Friedrichsdorf und Chesham. Nach acht Jahren lud die englische Partnerstadt erstmals wieder zu einem Kulturwochenende ein. Und damit nicht genug: Künftig werden Europakonzerte, Pfingsttreffen und andere kulturelle Veranstaltungen nicht mehr nur zwischen Friedrichsdorf und Houilles pendeln – auch Chesham wird wieder mit von der Partie sein. „Es fühlt sich so gut an, wieder hier zu sein“, sagte Anja Canenbley, im Städtepartnerschaftsverein zuständig für die britische Partnerstadt. „Ein ganz besonderer Moment.“ Delegationen aus Frankreich und Deutschland waren zu Gast in dem Ort nahe London: Mit Ausflügen zum „Clocktoberfest“, dem Cheshamer Äquivalent des Hessenparks und einem Blick in eine der wenigen noch existierenden Orgelrestaurationswerkstätten Europas.
So zuversichtlich waren Canenbley und Roderick McCulloch nicht immer, seit das Cheshamer Twinning Committee 2018 aus Altersgründen die Segel gestrichen und sich aufgelöst hatte. „Ohne ihn wäre es wohl eingeschlafen, vielleicht für immer“, sagt die Deutsche über den britischen Kollegen, der die Hoffnung letztendlich nie aufgab.
Zwar gibt McCulloch bei seiner Rede im Cheshamer Rathaus zu: „Vor acht Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal hier stehen würde, um mich darüber zu freuen, was wir geschafft haben.“ Denn es habe durchaus Zeiten gegeben, in denen er gedacht habe ‚das war es nun‘. Aber: „Es ist ein stolzer Moment, für uns alle.“
Eine gute Portion Hartnäckigkeit zeichnet den 71-jährigen Briten aus. Vielleicht ist es auch schlicht der „British Bulldog Spirit“ – jene Eigenschaft, die den Menschen auf der anderen Seite des Kanals nachgesagt wird und die sie in schwierigen Zeiten dazu bringt, niemals aufzugeben, stur durchzuhalten und trotz widriger Umstände weiterzumachen.

Grüße von Bürgermeister Lars Keitel bestellte Kulturamtsleiter Jonas Steinert (rechts) an Parveiz Aslam, der zurzeit in Chesham die Amtskette trägt (Foto: Arnold)
Also sei er in Kontakt geblieben, nicht nur mit Friedrichsdorf, sondern auch mit Houilles. Er war sichtbar, bei Treffen in beiden Rathäusern, bei den sogenannten „Tripartite Meetings“, während deren die drei Vereine ihre Aktivitäten abstimmen. Der Einsatz wurde belohnt: Es kam zu einem UN-Nachhaltigkeitsprojekt mit Jugendgruppen in allen drei Städten, gefolgt von der Blumenpflanzung am Friedrichsdorfer Rathaus, die auf eine Initiative aus Chesham zurückgeht. Seit März 2026 treffen sich Briten im King Charles Pub zwischen Chesham und drei Meilen entfernten Nachbargemeinde Ashley Green zu gepflegter Konversation – in deutscher, französischer und spanischer Sprache. Denn auch Chesham hat eine dritte Partnerstadt neben Houilles und Friedrichsdorf: das spanische Archena.
„In den letzten zweieinhalb Jahren fand ich Helfer“, spinnt McCulloch die Geschichte weiter. Eine davon ist Isabelle Hatfield (42), umtriebige Organisatorin par excellence und – mindestens – viersprachig unterwegs. Zu zweit fanden sie weitere Mitstreiter, was im Mai 2025 schließlich zur Neugründung der Chesham Town Twinning Association führte.
„Das bedeutet viel für Chesham“, betonte Bürgermeister Parveiz Aslam während des Empfangs der Gäste. Dass die Freundschaft auch diese Zeit überdauert habe, stimme ihn hoffnungsvoll für die Zukunft. „Erheben wir unsere Gläser: Auf alte Freundschaften, die nun erneuert werden, und auf neue Erinnerungen, die heute entstehen.“ Eine Erinnerung der besonderen Art war die – in englischer Sprache gehaltene – Ansprache des erst kürzlich gewählten Houiller Bürgermeisterkollegen Romain Bertrand, dessen Englischkenntnisse sich ansonsten nach eigener Aussage auf „Good morning“ und „Good evening“ beschränken. Aber auch das ist Partnerschaft: Gutmütiges Gelächter und stehender Applaus für die Macarons mit dem Wappen Cheshams, die von Kulturamtsleiter Jonas Steinert mit Windlichtern aus Friedrichsdorf ergänzt wurden.
Ein Wochenende bei Freunden
Es ist ein gänzlich anderes Vereinsleben, dort in England. Beinahe alles geschieht ehrenamtlich. Und ebenso fast jede Ausgabe muss zuvor über Spendenaktionen hereingeholt werden. Geld von der Kommune gibt es wenig. Das galt übrigens ebenfalls für das Nationalgericht Fish & Chips und alle anderen Köstlichkeiten während des Empfangs bei Bürgermeister Aslam im Rathaus – sie waren einem örtlichen Maschinenbauer zu verdanken.
Auch der Radiosender „Chiltern Voice“ ist so entstanden. Mit Spenden aufgebaut, die Sendungen heute ausschließlich von Ehrenamtlichen produziert, wie Moderator Nigel Brand bestätigt – und das trotz Programm nahezu rund um die Uhr. Was als kleiner Besuch im Sendehaus geplant war, artete unversehens zum Interview aus. Immerhin: Wann hat Nigel schon mal Friedrichsdorfer zu Gast. Und so wechselten sich Wettervorhersage, Nachrichten, Musik und Informationen über die Metro nach London ab mit einem Gespräch darüber, welche Gebäude im „Chiltern Open Air Museum“ die schönsten waren.
Das Freilichtmuseum könnte ein Zwilling des Hessenparks sein – ein wenig kleiner und gemütlicher, dafür aber mit viel Platz zum Spazierengehen zwischen Apfelbäumen, Kornspeichern und Kerzenziehern unter der Septembersonne. Die Friedrichsdorfer Gäste berichteten während des Spaziergangs außerdem von Ausflügen in die malerische Altstadt des Nachbarorts Amersham, von neuen Kontakten zu jungen Musikern und vom „Clocktoberfest“ – einem dem Münchener Oktoberfest nachempfundenen Veranstaltung rund um den Uhrenturm (Clocktower) auf dem Cheshamer Marktplatz.
Übrigens: Falls Sie das nächste Mal ganz ohne Verpflichtung mit von der Partie sein wollen oder darüber nachdenken, im Städtepartnerschaftsverein Friedrichsdorf mitzuarbeiten: Komm’se her, komm’se ran, wir beißen nicht, sondern freuen uns auf und über jede helfende Hand.






